25. November 2006
Lesespass IV
Ich werde mich nun dem Lichte ergeben, hingleiten zur Tiefe, lachend und erwachend, ganz und gar roh, einer Blume im Frühling gleich. Oder einer Tulpe. Ach, wohin, wohin? So bin ich doch kaum erst geboren, atme kaum, und drohe doch zu ersticken, ständig, täglich im sinnesfremden Nichts zu verschwinden. Ereifert schreibe ich weiter. Lass nach, Seele, Kauz, Land- und Waldstreicher. Vor mir brennt mein Verstand, es dampft, schmilzt, und ich trinke, setze mich trunken hinter mich und betrachte meinen Rücken. Wie schön er ist – im Dunkeln. Will er jemals Flügel schenken? Zurück nun, gedeih und erstaun, glaub und verschwind. Ich bin bei dir.
Wer da spricht, wer da singt und flucht, weint, betet, erbricht… Vielleicht ein alter Freund aus dem Hause hinter den Dingen. So real und beständig wie der Wind, und ebenso stark. Nur unsichtbar…
26. Oktober 2006
Lesespass III
Flieg weiter, oh Vogel, flieg bis zur Sonne, erschaue und erkenne: sie ist die Grenze. Weil nicht nur das Herz sehen kann.
13. Oktober 2006
4. Oktober 2006
Lesespass II
Oh, und wie gut mir doch dieser meine Berg, mein Freund ist. Ziel ist dies: Ein Höhenfeuer zu errichten, ein lebendiger, fackelnder, ja glühender Stern, der zu den Gipfeln, die ich nicht erwandern kann, zum einsamen Einzelnen vordringt, ihn erwärmen, ihn ermenschen, ihm Licht sein kann.
Noch ist das Feuer nicht entfacht, die Suche nach Holz ist schwer, ist Leben. Doch ich gehe, geschwind, sammle, tanze, weine, will Feuermachen lernen, einen Stern gebären. Und ich bin noch nicht müde…
25. Juli 2006
Politikwissenschaften?!
Weshalb also Politologie? - Weil Politik Denken, Leben, Menschsein ist, weil die trockene Theorie zu uns führt, zum Lachenden, zum Weinenden, zum Flüchtling oder Heimischen, Weissen und Schwarzen.
"In unserer Welt im allgemeinen, ganz besonders aber in den unterentwickelten Gesellschaften, wird alles von der Politik diktiert. Diese durchdringt und beeinflusst alle elementaren Gebiete des Lebens, entscheidet das Schicksal jedes einzelnen. Die Politik ist ein mächtiger Faktor und durch die Medien allgegenwärtig. Neunzig Prozent aller Nachrichten beschäftigen sich mit den Akteuren des politischen Theaters, den Helden der politischen Klasse: Präsidenten, Minister, Abgeordnete, Generäle, Führer, Aktivisten, Populisten. Über die globale Situation kann man heute weder schreiben noch reflektieren, wenn man nicht die grosse Bedeutung der Politik begriffen hat."
Ryszard Kapuściński, polnischer Autor und Korrespondent mit langjähriger Afrika-, Südamerika- und Asienerfahrung. Aus „Die Welt im Notizbuch“.





























